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Olympia-Qualifikation: DVV-Männer in London dabei – 3:1 gegen Tschechien 11.06.2012

Die DVV-Männer haben das „Wunder von Berlin" wahrgemacht und sich für die Olympischen Spiele in London qualifiziert: Den entscheidenden Sieg landete die Mannschaft von Bundestrainer Vital Heynen vor 4.110 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle mit 3:1 (25-22, 23-25, 25-23, 25-21) gegen die Tschechische Republik und beendete das Turnier damit ungeschlagen vor Kuba, Tschechien und Indien. Punktbeste Spieler in der Partie waren Georg Grozer (28) und Jan Stokr (19).

Folgende Teams werden in London um die Medaillen spielen: Großbritannien, Russland, Polen, Brasilien, Tunesien, Italien, Argentinien, USA, Serbien, Australien und Deutschland. Den letzten Platz wird voraussichtlich Bulgarien einnehmen, denen in Sofia eine 2:3-Niederlage gegen Ägypten zum Turniersieg reicht.

Startformation GER: Simon Tischer, Jochen Schöps, Marcus Böhme, Max Günthör, Marcus Popp, Denis Kaliberda, Markus Steuerwald

Startformation CZE: Jiri Kral, David Konecny, Ales Holubec, Ondrej Hudecek, Ondrej Boula, Jan Stokr, Vaclav Kopacek

Während Team Deutschland mit der Formation vom Vortag antrat, nehmen die Tschechen einen wesentlichen Wechsel vor: Stewart Bernard stellt mit Stokr und Konecny zwei Diagonalangreifer aufs Feld - der Druck in Aufschlag und Aufschlag soll auf ein Maximum erhöht werden. In ersten Aktionen merkt man dem deutschen Team die Nervosität an, Grozer schlägt zwei Bälle ins Netz. Da aber das deutsche Aufschlagspiel funktioniert (Asse von Grozer und Böhme) verläuft der Auftakt ausgeglichen (6-6). Ein „Monsterblock" von Grozer gegen Konecny bringt das deutsche Team in Führung (9-8), aber in der Folge sind die deutschen Aufschläge zu fehlerhaft, um diese auszubauen (13-13). Als Grozer zwei Angriffe nicht unterbringen kann, gehen die Tschechen in Führung (15-17). Popp gleicht per Block gegen Stokr prompt aus, aber die Gäste kontern abermals mit gutem Blockspiel. Dann serviert der echte „Hammerschorsch" endlich wieder ein Ass - Ausgleich und Auszeit Tschechien (20-20). Grozer packt noch ein Ass drauf und holt die Führung endlich wieder zurück (21-20), dann kommen Lukas Kampa/Jochen Schöps für Grozer/Tischer aufs Feld. Kampa rettet einen Ball gekonnt, anschließend setzt Stokr seinen Hinterfeldangriff weit neben die Linie - Satzbälle für Deutschand (24-22). Gleich der erste ist es, Kaliberda passt im Block auf und blockt Schnellangreifer Kral.

Beide Teams bleiben unverändert, die Nervosität, die das deutsche Team den ganzen ersten Satz über begleitet hat, scheint aber immer noch nicht abgelegt: Die Annahme ist nicht so stabil wie gewohnt, auch weil die Gäste volles Risiko gehen. Beim 4-7 nimmt Heynen eine Auszeit. Die wirkt: Böhme serviert ein Ass, Günthör blockt seinen Gegenüber Kral und verhilft dem Gastgeber zum Ausgleich (8-8). Boulas Ass bedeutet erneut Rückstand, die Tschechen machen es dem deutschen Team alles andere als leicht (11-13). Als zwei weitere deutsche Angriffe nicht untergebracht werden können, beträgt der Rückstand erstmals vier Zähler (11-15). Gut, dass die DVV-Männer Grozer haben. Der serviert zum genau richtigen Zeitpunkt dreimal ganz stark und sorgt für den Ausgleich (15-15). Der Bundestrainer wechselt nach Schwarz (für Kaliberda) auch Kampa/Schöps (für Tischer/Grozer) ein. Letzterer sorgt mit zwei Blockpunkten dafür, dass abermals der Ausgleich gelingt (18-18). Die Führung will aber (noch) nicht gelingen, Grozer/Tischer kommen zurück (19-20). Dann greifen erst Grozer (gegen Konecny), dann Günthör (gegen Holubec) im Block zu - abermals Ausgleich (21-21). Die erste Punktchance zur Führung lässt das deutsche Team liegen, dann sorgt ein verschlagener Grozer-Aufschlag für den ersten Satzball für Tschechien. Schwarz patzt in der Annahme - Satzausgleich.

Heynen schickt wieder seine Anfangsformation auf das Spielfeld, bei Tschechien ist nun - wie am Ende des zweiten Satzes - Karel Linz (für Konecny) im Spiel. Routinier Popp macht zu Beginn wichtige Punkte im Angriff, auch die Block- Abwehr ist nun besser auf der Höhe - der Start in diesen wichtigen dritten Satz ist gelungen (6-3). Kurze Zeit später heißt es aber wieder Ausgleich, die Tschechen gehen volles Risiko mit ihrem Service und erzielen damit deutlich Wirkung (7-7). In der Folge punkten beide Teams aus der Annahme bzw. profitieren von Aufschlagfehlern der Gegenseite. Es ist nicht hochklassig, aber wahnsinnig spannend (15-15). Beim 18-18 kommt es zum fast schon obligatorischen Doppelwechsel auf deutscher Seite: Tischer/Grozer verlassen das Feld, Kampa/Schöps kommen. Dann serviert Tschechiens Star Stokr zwei Asse - Auszeit Deutschland (19-21). Schöps hält mit zwei überlegten „Rollern" jeweils den Anschluss, dann ist sein Aufschlag Grundlage für den Blockpunkt von Günthör (22-22). Schöps setzt nach der tschechischen Auszeit ein Ass hinterher - ganz stark und Führung (23-22). Anschließend ist der Dreierblock gegen Stokr zur Stelle, Satzbälle Deutschland (24-22). Den ersten wehrt der Weltranglisten-23. ab, dann ist Konecny an der Aufschlaglinie, hämmert auf den Ball, aber Steuerwald pariert. Und Grozer macht es mit Gefühl (!). Das war wichtig. Schöps mit seinen Angriffen und Aufschlägen war am Ende der Gewinner dieses Satzes.

Die Anfangsformationen des dritten Satzes beginnen auch den vierten Durchgang. Stokrs Angriffsfehler und Tischers Block führen zum 5-2. Aber Blockpunkte gegen Grozer und Böhme bedeuten kurze Zeit später Ausgleich (6-6). Als Günthör seinen fünften Block im Spiel setzt, geht es mit 8-6 in die technische Auszeit. Aber die zähen Tschechen geben sich keineswegs geschlagen - sie machen den auf der Tribüne sitzenden Kubanern weiter Hoffnung (12-13). Ein Popp-Block - wahrscheinlich hat er in drei Tagen noch nie so viele Bälle geblockt - holt die Führung zurück. Mit 16-15 geht es in die zweite technische Auszeit. Abermals wechselt Heynen Schöps/Kampa ein - das hat sich in den zwei gewonnenen Sätzen jeweils bezahlt gemacht. Als Schöps seinen ersten Angriff erfolgreich versenkt, nimmt Bernard eine Auszeit (18-16). Die tschechische „Aufschlag-Waffe" Konecny sorgt mit seinem Ass für den Ausgleich, anschließend ist es abermals Schöps, der punktet (20-18). Die Zuschauer stehen von ihren Plätzen auf, keinen hält es mehr. Als die Tschechen zum wiederholten Mal ausgleichen, kommen Grozer/Tischer zurück (20-20). Popp, immer wieder der Frankreich-Legionär, der mit seiner raffinierten Spielweise wichtige Punkte macht. Dann greift 2,11 Meter Riese Böhme zu - 23-21. Nur noch zwei Punkte bis London. Dann punktet Grozer gegen den Dreierblock. Matchbälle und Londonbälle Deutschland. Gleich der erste ist es - Stokr verzieht weit.

Spielfilm
1. Satz: 4-4, 8-8, 12-12, 16-18, 18-20, 22-21 (Kampa/Schöps für Grozer/Tischer), 24-22
2. Satz: 2-5, 5-8, 9-9, 11-14, 12-15 (Schwarz für Kaliberda), 16-16 (Schöps/Kampa für Tischer/Schöps), 20-21, 23-23
3. Satz: 4-2, 7-5, 10-10, 13-13, 16-16, 18-18 (Kampa/Schöps für Grozer/Tischer), 20-22, 24-22, 24-23 (Tischer/Grozer zurück)
4. Satz: 4-2, 8-6, 11-9, 14-14, 16-15 (Kampa/Schöps für Grozer/Tischer), 18-18, 20-20 (Grozer/Tischer zurück), 23-21

Statistik GER-CZE

Stimmen
Vital Heynen
: "Ich habe heute das schwierigste Spiel erwartet, weil eine Mannschaft gewinnen musste und die andere konnte spielen wie sie will. Wir standen unter Druck und haben nicht gezeigt, was wir können. Wir haben es geschafft. Es war harte Arbeit, aber kein schöner Volleyball."

Björn Andrae: "Das ist ein sehr emotionaler Moment, ich bin sehr stolz auf die Truppe. Es war sehr schwer, weil die Tschechen keinen Druck hatten und es für uns um alles ging. Es war ein Spiel auf hohem Niveau, sehr knapp, aber wir haben verdient gewonnen. Es ist das Größte, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Jetzt wird relaxed und angestoßen."

Stewart Bernard (Trainer CZE): „Meine Jungs haben sehr gut gekämpft und gespielt. Wir haben uns in dem Turnier gesteigert. Ich bin stolz auf das Team, die Mannschaft kann eine gute Zukunft haben. Ich freue mich für Deutschland, dass sie den Schritt gemacht haben. Die Jungs haben hart dafür gearbeitet, jetzt hat es sich ausgezahlt."

Ondrej Hudecek (Kapitän CZE): „Gratulation der deutschen Mannschaft. Es ist eine starke Leistung, sich zweimal in Folge für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Ich hoffe, das Spiel gegen uns war eine gute Vorbereitung für sie, um gegen die dort starken Gegner zu bestehen. Wir haben gut gespielt und müssen nur Kleinigkeiten verbessern, um Teams wie Kuba oder Deutschland zu schlagen."

Markus Steuerwald: „Das war großartig, so etwas habe ich noch nicht erlebt. Nach dem Match konnte ich die Tränen nicht mehr halten, da ist die ganze Anspannung wie ein Wasserfall aus mir herausgebrochen. Die Mannschaft hat einen unglaublichen Team-Spirit entwickelt. Da ist jeder für jeden da. Alle wollten uns einreden, die Tschechen schlagen wir mit links. Wir haben uns auf unser Ding konzentriert und das durchgezogen. Gegen einen Kontrahenten, der sich gewehrt hat wie der Teufel. Es war eine Willensleistung, die zu schlagen. Das Publikum hat dabei unwahrscheinlich geholfen. Danke! Mit meiner Turnierleistung bin ich insgesamt zufrieden. Ich hoffe, ich habe mich damit für einen Platz im Olympiakader beim Bundestrainer empfohlen."

Simon Tischer: „Nach diesem Nervenspiel fällt mir nicht mehr allzu viel ein - wer dabei war, wird wissen, was ich meine. Ich bin wahnsinnig stolz, wie die Mannschaft hier aufgetreten ist. In den vergangenen Wochen hat sie eine grandiose Entwicklung vollzogen. Im Spiel heute hat man den großen Druck gespürt. Das war sicher kein sehr gutes Match von unserer Seite, gegen Kuba waren wir viel stärker. Dass wir uns dennoch durchgesetzt haben, spricht für das Potenzial und die Möglichkeiten des Teams. Der Spaß in unserer Mannschaft ist zurück. In der Vorbereitung haben wir wieder mit unserem Team-Psychologen (Dr. Wolfang Klöckner, Anm. d. Red.) gearbeitet, er hat uns den Schlüssel zur Motivation gegeben. Gegen Tschechien haben wir vor allem über den Kopf gegen gehalten. Es galt drei Sätze zu gewinnen und keinen Schönheitspreis."

Georg Grozer: „Man hat heute gesehen, welch wichtiger Faktor bei uns der Team-Spirit spielt. Jochen Schöps hat entscheidende Akzente gesetzt, als er für mich auf das Feld kam. Wir haben großen Respekt voreinander und arbeiten hervorragend zusammen. Das hilft der ganzen Mannschaft, und so muss es sein. Nach meinem Trainingsausfall wegen der Lebensmittelvergiftung hat das Turnier enorm Kraft gekostet, aber das war es auf jeden Fall wert. Ich werde zum ersten Mal Olympia erleben - wunderbar! Dies Ziel ist erreicht, nun werde ich mir Neue, Höhere setzen. Sonst wäre ich ein schlechter Sportler."

Abschluss-Tabelle
1. GER - 8 Punkte - 9:3-Sätze - 3 Spiele
2. CUB - 7 Punkte - 8:4-Sätze - 3 Spiele
3. CZE - 3 Punkte - 5:6-Sätze - 3 Spiele
4. IND - 0 Punkte - 0:9-Sätze - 3 Spiele

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Da ist das Ding! Die DVV-Männer mit dem London-Ticket. --- © FIVB

Da ist das Ding! Die DVV-Männer mit dem London-Ticket.
© FIVB

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