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Was für ein schöner Sonntag 26.03.2012
... waren die ersten Worte den neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Exakt eine Woche nach dessen Wahl galt dieser Ausspruch auch für die BERLIN RECYCLING Volleys. Im zweiten Play-off-Halbfinale besiegten die Hauptstädter den Titelverteidiger VfB Friedrichshafen vor 4.367 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle mit 3:2 (23:25, 21:25, 25:19, 25:18, 15:12) und begeisterten dabei durch eine unglaubliche Aufholjagd. In der „best of five" Serie steht es damit 1:1.
Auch ohne den nach seiner Schulterverletzung nur für Sekunden eingesetzten Hauptangreifer Paul Carroll holten die Berliner einen 0:2-Satzrückstand nicht nur auf, sondern drehten das für viele schon verloren geglaubte Match gegen den amtierenden Meister und Pokalsieger in der Tie-break-Verlängerung. Damit gibt es - nach dem 1:3 in Hinspiel - die dritte Partie am Mittwoch in Friedrichshafen. Und auf jeden Fall am Sonntag (01. April, wieder um 16 Uhr in der Max-Schmeling-Halle) ein vierte Auseinandersetzung der beiden Erzrivalen in der Hauptstadt.
Urpo Sivula und Scott Touzinsky hätten aus Berliner Sicht die prägenden Figuren des ersten Satzes werden können. Der Finne Sivula, weil er auf der Diagonalposition anfänglich fast alle Angriffsbälle serviert bekam und dabei eine hohe Erfolgsquote aufwies. Der US-Olympiasieger Touzinsky mit einer Aufschlagserie, die der VfB-Annahme große Probleme bereitete und die Gastgeber auf 16:12 davon ziehen ließ. Doch der Serienmeister vom Bodensee konterte insbesondere durch Schnellangriffe von Kapitän Joao Jose zum 16:15. Die Antwort der Berliner ließ nicht lange auf sich warten, bei 22:17 schienen die BR Volleys auf der Zielgerade zum Satzgewinn. Jetzt schlug jedoch die Stunde des Oliver Venno. Der estnische Hauptangreifer des VfB war bis dato kaum in Erscheinung getreten. Nun stand der 2,07m-Riese an der Aufschlaglinie. Und führte die Gäste zu einer Sechs-Punkte-Ausbeute in Folge. Zwei Aufschläge führten zu direkten Zählern. Die restlichen störten den Angriffsaufbau der Gastgeber gravierend, was zum 23:22 führte und wenig später im 25:23 Satzgewinn für Friedrichshafen gipfelte.
Im zweiten Durchgang brachte Berlins Cheftrainer Mark Lebedew auf der Suche nach neuen Impulsen Björn Höhne in der Annahme für Roko Sikiric sowie Kawika Shoji auf der Spielmacherposition für Jaroslav Skach. Doch der Titelverteidiger schwamm weiterhin auf der Erfolgswelle, die Venno mit seiner Aufschlagserie ins Rollen gebracht hatte. Über die Stationen 8:5, 11:6, 16:11 erspielten sich die Schützlinge von VfB-Cheftrainer Stelian Moculescu einen 22:18-Vorteil. Zwar kämpften die BR Volleys engagiert und einsatzstark. Machten aber in den entscheidenden Situationen den einen oder anderen Fehler in Annahme, Block oder Angriff zu viel. Und so brachte Friedrichshafen auch diesen Durchgang -diesmal verdient und ungefährdet - mit 25:21 nach Hause.
Jetzt hatte man auf Berliner Seite kaum noch etwas zu verlieren. Lebedew berief eine ganz junge Formation (Shoji, Höhne, Galandi, Sivula) auf das Parkett. Und die Youngster spielten - angetrieben von der einmal mehr imposanten Kulisse - im Verbund mit den Routiniers (Krystof, Kmet, Touzinsky) unbekümmert auf. Markierten nach 8:7 das 16:10 und zogen auf 20:14 davon. Der Meister der letzten sieben Jahre nahm sich nun eine mentale Auszeit. Tauschte den Zuspieler Zatko aus und gönnte auch Routinier Idi eine Verschnaufpause.
Nach dem 25:19 Satzverlust kehrte Friedrichshafen jedoch zu seiner Stammformation zurück. Und ersetzte lediglich Vemic durch Dos Santos. Bei 9:9 war noch alles offen. Dann führte ein Berliner Zwischenspurt zum 16:12. Wie im Eröffnungssatz. Dann das 20:16. Wie in Durchgang eins. Doch diesmal gelang den Gästen keine Aufschlagserie. Und Sivula, im Auftaktsatz beim entscheidenden Ballwechsel noch geblockt, sorgte schon mit dem ersten Satzball zum 25:18 für den umjubelten 2:2-Ausgleich.
Im Tie-break schwang sich Berlins US-Hawaiianer Kawika Shoji zum „Helden des Abends" auf. Beim Stand von 8:8 sorgte der Zuspieler mit einer eindrucksvollen Service-Serie für die vorentscheidende 12:8-Führung. Die konsternierten Gäste schafften nur noch den 14:12-Anschluss, ehe Tomas Kmet mit seinem verwandelten Matchball die Max-Schmeling-Halle in ein „Freudenhaus" verwandelte.
Urpo Sivula, mit 27 Zählern erfolgreichster Punktesammler des Spiels, meinte: „Wir haben heute nie aufgegeben, immer volles Risiko gespielt und hatten irgendwann auch das notwendige Quäntchen Glück, das man gegen eine der besten Mannschaften Europas braucht."
Sein Pendant beim VfB, Oliver Venno: „Wir haben den ersten Durchgang glücklich gewonnen und im zweiten fast perfekt gespielt. Doch der Gegner hat reagiert, hat sich gesteigert, während bei uns die Konzentration abfiel. Vielleicht waren wir uns schon ein wenig zu sicher. Berlin aber ist ein starker Gegner und hat eine gute Mannschaft. Das haben sie schon im Hinspiel bei unserem 3:1 erkennen lassen."
Berlins Manager Kaweh Niroomand wies darauf hin, „dass keine Einzelspieler einen so starken Gegner besiegen können. Dazu bedarf es einer Mannschaftsleistung und die hat unser Trainer heute durch Veränderungen in der Aufstellung und verschiedene Wechsel im Spielverlauf ermöglicht. Ich denke, das war heute echte Werbung für attraktiven Volleyball und freue mich schon auf die vierte Begegnung in einer Woche."
BR Volleys Trainer Mark Lebedew auf die Frage, was der Schlüssel für den heutigen Sieg - im Februar verlor Berlin an gleicher Stelle noch 2:3 - gewesen sei: „Dass die Mannschaft irgendwann daran geglaubt hat, diesmal als Sieger die Halle verlassen zu können. Das war am Ende der Hauptrunde nicht der Fall, auch nicht beim ersten Spiel in Friedrichshafen."
Tickets für das Heimspiel der BR Volleys am Sonntag, den 01. April können HIER einfach gebucht und direkt ausgedruckt, unter der Ticket-Hotline 01805 288244 bestellt, sowie an allen TIXOO-Vorverkaufskassen oder an der Max-Schmeling-Halle erworben werden.
Grund zur Freude: Die BR Volleys haben in der "best of five"-Serie gegen den VfB Friedrichshafen den Ausgleich erzielt.
© Eckhard Herfet, Berlin







